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Netzwerktreffen Spendenparlamente

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Am 12. März 2025 haben wir das erste Netzwerktreffen für Spendenparlamente in Ostdeutschland in Erfurt durchgeführt. Mehr als 20 Personen kamen zusammen – aus bestehenden Parlamenten, aus Regionen, die gerade ein Spendenparlament aufbauen, und aus solchen, die ernsthaft darüber nachdenken.

Wer war dabei?

Vier aktive Spendenparlamente stellten sich vor: das Spendenparlament Hamburg (seit 1996) als das erste seiner Art in Deutschland, das Erfurter SpendenParlament (seit 2015), das Gemeinwohlparlament Leipzig (seit 2025) und unser Spendenparlament Saale-Orla-Kreis (seit 2024). Aus acht weiteren Regionen waren Interessierte angereist, die an einer eigenen Gründung arbeiten: Sonneberg, Saale-Holzland-Kreis, Saalfeld-Rudolstadt, Oberlausitz, Bad Tabarz, Mittweida, Erzgebirgskreis und Unstrut-Hainich-Kreis.

 

Der Vormittag: Kennenlernen und Vorstellungen

Nach einer Begrüßung und einem Energizer zum Kennenlernen gab es einen ersten offenen Austausch darüber, warum die Anwesenden in ihrer Region ein Spendenparlament gründen wollen – oder was sie daran bisher hindert. Das schuf schnell eine offene Gesprächsatmosphäre, die den ganzen Tag anhielt.

Den Kern des Vormittags bildeten die Vorstellungen der vier aktiven Parlamente. Hamburg berichtete aus fast 30 Jahren Erfahrung: drei Sitzungen pro Jahr, ein Förderschwerpunkt auf Projekten gegen Armut, Obdachlosigkeit und Isolation, und ein bewährtes System aus ehrenamtlicher Finanzkommission und öffentlichen Parlamentssitzungen. Erfurt stellte seinen Ansatz vor, das Spendenparlament bewusst als Lernort für demokratische Beteiligung zu verstehen – mit kurzen Projekt-Pitches, einer Vorauswahlrunde und einem stark von den Mitgliedern getragenen Prozess. Leipzig präsentierte das Gemeinwohlparlament, das mit einem eigenen Wertekodex und wechselnden Jahresthemen arbeitet und Crowdfunding mit direkter Demokratie verbindet. Der Saale-Orla-Kreis schließlich zeigte, was im ländlichen Raum möglich ist: In zwei Runden wurden bereits über 29.000 Euro an lokale Projekte vergeben – und das mit einem kleinen, engagierten Team.

Der Nachmittag: Diskussion und offene Fragen

Nach einem gemeinsamen Spaziergang und Mittagessen ging es gestärkt in den Nachmittag, der dem gemeinsamen Austausch gewidmet war. Dabei kamen ganz konkrete Fragen auf den Tisch: Wie gewinnt man Mitglieder und hält sie langfristig? Welche Kommunikationswege funktionieren – besonders im ländlichen Raum, wo Instagram weniger zieht als der Stammtisch oder der Flyer am Dorfplatz? Wie bleibt ein Spendenparlament politisch unabhängig und neutral, ohne dabei Werte zu verlieren? Und wie kontrolliert man sinnvoll, dass Fördermittel gut eingesetzt werden, ohne dabei zu viel Bürokratie aufzubauen?

Auch komplizierte Fragen wurden ausführlich diskutiert, selbst wenn man nicht immer eine konkrete Lösung finden konnte. Denn am Ende wurde immer wieder betont, dass jedes Spendenparlament und jede Region ihren eigenen Weg finden muss – aber gern mit der Erfahrung und Hilfe der anderen. Genau dafür ist ein solches Netzwerk da.

Zum Abschluss beschäftigte sich die Gruppe mit den Erwartungen an eine gemeinsame Netzwerkstelle: Was braucht man konkret für den Start? Was wünscht man sich an Begleitung und Beratung? Und wie soll die Zusammenarbeit im Netzwerk langfristig aussehen? Die Antworten aus dem World Café und den Pinnwänden zeigten ein klares Bild: Der Bedarf an gegenseitigem Austausch, an Vorlagen und Materialien, an rechtlicher Orientierung und an einfach zugänglichem Wissen ist groß.

Wie geht es weiter?

Das Treffen stellte nur den Auftakt dar für ein dauerhaftes und größer werdendes Netzwerk der Spendenparlamente in Deutschland. Wir bauen aktuell Beratungs- und Begleitungsleistungen auf um Engagierten in verschiedensten Regionen Starthilfe beim Aufbau ihrer Parlamente zu geben. Dazu tüfteln wir aktuell an der entsprechenden Webseite. Demächst starten wir mit ersten Informations- und Schulungsveranstaltungen, einem digitalen Werkzeugkasten sowie regelmäßige digitale Netzwerktreffen. 

Ein großer Dank an die Postcode-Lotterie, sowie die Kurt und Maria Dohle Stiftung und die Barthel Stiftung (über das Projekt Ankerpunkte Ost), die den Aufbau der Netzwerkstelle und das 1.Treffen in Erfurt ermöglichen. 

Ein ebenso großer Dank geht an das Team von mehzo in Erfurt für die so fantastische Gastfreundschaft.