Ende April 2026 waren wir wieder in Gefell – zum vierten Mal bei denselben Klassen, diesmal mit dem bisher umfangreichsten Programm.
Zwei Klassen, ein gemeinsamer Tag, viele Themen: Regenwald, Massentierhaltung, Plastik, Textilindustrie. Und am Ende: konkrete Ideen für ein nachhaltiges Schulfest im Juni.
Der Tag begann mit einer kurzen Gefühlsrunde, um zu schauen, mit welcher Energie die Gruppe in den Tag startet und was noch aus den Vorbesuchen hängengeblieben ist. Erstaunlich viel, wie sich zeigte: Die Kinder erinnerten sich an die SDGs, an Fairtrade, an den Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Regenwald.

Im ersten Block haben wir bekannte Inhalte per Quiz wiederholt – angelehnt an das Format der TV-Sendung, mit steigenden Schwierigkeitsgraden und physischer Beteiligung: Die Kinder positionierten sich im Raum zu den jeweiligen Antworten A, B, C oder D.
Die Fragen reichten von „Was bedeutet Nachhaltigkeit?“ bis zu konkreten Fakten: Wie viel Auslauf hat ein Schwein in der Massentierhaltung? Was ist der Erdüberlastungstag, und wann fiel er 2025? Dass Deutschland nach Berechnungen des Global Footprint Network drei Erden bräuchte, wenn alle Menschen so lebten wie wir, war für viele neu – und löste eine kurze, lebhafte Diskussion aus.
Zwischen den Fragen wurden kurze Videos eingespielt, die die Themen vertieften: zu den 17 SDGs der UN, zu Fairtrade, zur Klimakrise.
Den Hauptteil des Tages bildete die Alienreise – ein geleitetes Rollenspiel, das die Kinder aus ihrer gewohnten Perspektive herausnimmt. Die Prämisse: Eine Alienklasse auf Schulausflug strandet auf der Erde, ihr Telebeamer ist in vier Teile zersprengt und über den Globus verteilt. Die Schüler*innen müssen die Teile finden – und begegnen dabei Menschen, Tieren und Problemen, die mit ihrem eigenen Alltag mehr zu tun haben, als ihnen vorher bewusst war.
Station 1: Malaysia und der Pazifik. Eine Meeresschildkröte verfangen in Plastik, Müllhalden an der Küste, Abfall, der aus Deutschland exportiert wird – und der Nordpazifische Müllstrudel, mittlerweile so groß wie Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Polen und Spanien zusammen. Die Kinder diskutierten, was man dagegen tun kann: aufräumen, recyceln, weniger Verpackung kaufen.

Station 2: Bangladesch. Ein Junge namens Mo führt die Gruppe zur Textilfabrik seiner Mutter. Sie näht T-Shirts, die in deutschen Kaufhäusern landen – für wenig Lohn, unter hohem Produktionsdruck. Der Fabrikleiter erklärt, dass er die Bedingungen gerne verbessern würde, aber nicht kann – weil der Preisdruck der Auftraggeber es nicht zulässt. Eine Situation ohne einfache Antworten, die die Kinder spürbar beschäftigt hat.
Station 3: Amazonas. Rodung für Sojaanbau, der als Futtermittel in Nutztierhaltung landet. Ein Jaguar, der seinen Lebensraum verliert. Die Kinder überlegten gemeinsam, wie man mit den Bauarbeitern umgeht – konfrontieren, überzeugen, Lärm machen? – und welche Konsequenzen die verschiedenen Entscheidungen haben.
Station 4: Nordamerika. Auf einer Nutztierfarm begegnen sie einer Mastkuh: wenig Platz, kein Auslauf, gesundheitliche Probleme. Die Farmer erklären ihrerseits, dass sie unter enormem wirtschaftlichem Druck stehen. Die Kinder schlugen vor: Stallvergrößerung, Weidegang, weniger Fleischkonsum, bessere Kennzeichnung.
Station 5: Deutschland. Das letzte Beamerteil liegt im Lidl – in der eigenen Stadt. Im Kaufhaus laufen alle Fäden zusammen: Rindfleisch, T-Shirts, Plastikverpackungen. Was kaufen wir hier, und was löst das anderswo aus?
Die Reise endete mit einer Reflexionsrunde: Was haben wir gelernt? Was können wir selbst tun? Und was braucht es über individuelle Entscheidungen hinaus?

Im letzten Block planten die Klassen – zunächst getrennt, dann zusammengeführt – ihr Schulfest am 5. Juni. Die Aufgabenstellung war bewusst konkret: Was würde unsere Alienklasse an einem Schulfest gut finden? Und was davon lässt sich tatsächlich umsetzen?
Die Ideen waren zahlreich und durchdacht:
- Wiederverwendbares Geschirr statt Einwegplastik
- Vegetarische und vegane Speiseangebote
- Flohmarkt und Kleidertausch
- Fairtrade-Kaffee und -Kuchen mit Infos zu Herkunft und Siegeln
- Ein Glücksrad mit nachhaltigen Gewinnen
- Kleidercontainer und Reparierstation
- Eine Spendenaktion für Waldschutz
- Kontaktaufnahme mit dem regionalen Bio-Unternehmen dennree als möglichem Sponsor
Die Umsetzung liegt jetzt in den Händen der Schüler*innen – und wir sind gespannt, was am 5. Juni daraus wird.
Ein langer, dichter Tag – mit Momenten, in denen es ruhiger und konzentrierter war, und Momenten, in denen es lauter wurde. Das gehört dazu. Was bleibt, ist ein Programm, das komplexe globale Zusammenhänge für Grundschulkinder greifbar macht, ohne sie zu vereinfachen – und das Lernen direkt mit Handeln verbindet.
Beim nächsten Besuch schauen wir gemeinsam, was aus den Ideen geworden ist.




